Ein Tag in Hongkong

Die Ankunft in Hongkong war wie die Stadt selbst – schnell, quirlig, lebendig. Ich war unsicher, ob ich froh sein sollte, dass ich kein Fieber hatte oder ob die Wärmebild-Kameras beim Verlassen des Flugzeugs doch eine leise Erinnerung an Vogelgrippe und Sorge wegen Ebola weckte.

Nachdem der Sicherheitscheck überstanden war und ich noch ein wenig das freie WLAN ausgenutzt habe, um mich zu informieren, ging es per „Airport express“ Richtung Hauptbahnhof (Man MUSS diese Bahnlinie nutzen und das extra Ticket kaufen – sonst bliebe nur Taxi oder Bus). Ich hatte schon davon gelesen, dass der Hauptbahnhof groß und unübersichtlich sein sollte – und das war er und zwar nicht zu knapp! Zum Glück hatte ich mit 14 Stunden Aufenthalt und der Ankunft um 07:00 morgens jede Menge Zeit. Dank offline Karten-App ging es dann einmal um die angeschlossene Mall herum und in Richtung Peak. Der Gedanke, mit dem Bus zu fahren, wurde mangels Auffindbarkeit der Haltestelle verworfen – so weit war es nicht und als ich per Zufall an so etwas wie dem ZOB von Hongkong vorbeikam, war ich beim Anblick der Menschenmassen überzeugt kein Bus fahren zu wollen. Mein treuer iPhone-freund navigierte mich auch recht passabel durch den Großstadt-Dschungel. Dies ist wörtlich zu nehmen – denn wie Dubai mal kurz in die Wüste, so wurde Hongkong eben in den Regenwald zwischen Bergen und Meer gebaut. Auf dem „Peak“ dem Aussichts-Berg wurde dies umso deutlicher. Hier ging es mit der uralten aber sehr schönen Seilbahn-Tram hoch und das ganze quasi ohne Anstehen, da ja ich ja gefühlt mitten in der Nacht mit Sightseeing angefangen hab. Deshalb war es auch oben sehr schön ruhig und fast menschenleer – ca. eine halbe Stunde lang. Die zusätzlich erhöhte und kostenpflichtige Aussichtsplattform habe ich mir gespart und bin ein wenig die Wege entlang geschlendert, was nur noch mehr den Kontrast zwischen Jungle und Metropole aufzeigte.

 

Als nächstes Stand die Fahrt mit der „Star Ferry“ auf dem Plan. Also runter mit der Seilbahn-Tram und zum Pier gelaufen, wo das Gesuche wieder los ging – obwohl dem aufmerksamen Beobachter aufgefallen wäre, dass ich direkt am Anfang schon am richtigen Pier war – so bin ich hin und wieder zurück spaziert. Was aber dank  angenehmen Wetter und durchaus schönem Blick auf beide Skyline-Seiten von Hongkongs Flussufern nicht schlimm war. Umso mehr war ich positiv überrascht, als ich feststellte, dass die Ferry 2 Hongkongdollar kostete (ca. 0,50€, abends dann ca. 0,75€). Die Ferry-Fahrt kann ich ebenfalls weiterempfehlen.

Auf dem anderen Ufer bin ich dann, mehr oder weniger planlos, zufällig auf der Avenue of Stars gelandet – eines der Touri-Highlights von Hongkong. Die sternförmigen Steinplatten mit chinesischen Schauspielern haben mich jetzt aber nicht so umgehauen. Stattdessen hab ich mich auf die Suche nach Essbarem gemacht und wurde an einem Takeaway-Grill fündig: „Mixed grill with Rice“ – kann man nicht viel mit falsch machen. Damit bin ich dann wieder zum Pier  gegangen und hab dort in der Mittagssonne gegessen. Dann wieder rüber mit der Fähre und zur Metro – im Hauptbahnhof kannte ich mich ja langsam aber sicher aus. Und dann Richtung Ngong Ping wo eine riesen Seilbahn, mit sehr schönem Ausblick über grüne Berge und Flussmündungen hinweg zum buddhistischen Kloster und dem weltgrößten freistehend und sitzenden Buddha führt. Auch dies kann ich jedem ans Herz legen, sofern man rasch durch die vorgelagerten Touristenshops direkt zum Kloster und am besten die 268 Stufen hoch zum Buddha geht. Von oben hat man noch einmal einen großartigen Ausblick über Berge, Kloster und Seilbahn.

(Kurze Anekdote: Gestern/09.10. habe ich eine Hongkongerin kennengelernt – und die war selbst noch nie beim Buddha :D )

Dann wieder runter mit der Gondel, wo ich mit einem jungen englisch/französischen Paar ins Gespräch kam, die beide unter Höhenangst litten. Nicht die beste Idee, aber mutig – 100 Meter über Berge und Meer zu fahren – und es kam was kommen musste: die Gondel hält plötzlich an, gefolgt von einer chinesischen Durchsage, die (wie uns von einer anderen jungen Chinesin übersetzt wurde) soviel bedeutete wie „es gibt ein Problem“. Dann ging es weiter – aber Rückwärts, also den Berg wieder hinauf. Die Odyssee der beiden war recht unterhaltsam, aber ich hatte auch etwas Mitleid – letztendlich ist alles gut gegangen und wir sind gut „gelandet“.

 

Jetzt wieder knapp 20 Min. mit der Metro zum Hauptbahnhof – ich hatte noch viel Zeit (es war 18:00 und Flieger ging um 23:55). Zielsicher ging ich dann im dunkel werdenden Hongkong wieder zum Pier, um noch einmal mit der Fähre „rüber zu machen“ und die beleuchtete Skyline zu fotografieren. Kurz bevor ich dies erfolgreich abgeschlossen hatte und umkehren wollte, kam eine Lautsprecher-Durchsage „Die Show beginnt um 20:00“ – „Lights of the City“ oder so ähnlich. Naja das war jedenfalls ein netter Zufall, der auch den Menschenauflauf erklärte. Also wartete ich knapp 15 Minuten auf die Show – nicht aber ohne zum Foto-Highlight einer Gruppe Chinesen zu werden – die mich scheinbar trotz reisebedingtem Duschmangel und eine kompletten Sightseeingtag immernoch fotogen fanden. Was tut man nicht alles für die Völkerverständigung.

 

Dann fing auch die Show an, die daraus bestand dass die vielzahl an Beleuchtungseffekten verschieder Hochhäuser mehr oder weniger synchron und mit einigen Laser- und Lichteffekten kombiniert, zu Musik die Skyline in eine Disco verwandelten. Es war ganz hübsch anzusehen, sage ich mal – aber ein gelungener Abschluss, nach dem ich mich nach 12 Stunden Hongkong auf den Rückweg zum Flughafen machte, um den dritten Kontinent in 48 Stunden zu besuchen.

 

Fakten zu Hongkong

  • Man muss auf Fußgänger Brücken achten – wenn man die nicht nimmt/findet kommt man zum Teil nicht über die Straßen
  • In dem Tempel soll man dreimal um den Buddha-Schrein herumgehen – habe ich! Ohne mich jetzt als Buddhismus-Experten bezeichnen zu wollen.
  • Von den Studentenprotesten habe ich lediglich eine Straßensperre/Barrikade gesehen. Dafür aber an zwei Stellen in Hongkong Demo Plakate, die gegen Polizeigewalt und Folter demonstrierten.

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